TIKATO als Unterzeichner beim Gedenken an die Mordopfer in Hanau

 

 

 

 

 

 

 

Am Wetzlarer Dom trafen sich mehr als 300 Menschen zur Mahnwache, mit Schweigen, Kerzen und Appellen für eine Welt ohne Rassismus. Viele Organisationen aus Kirche und Gesellschaft hatten zum Gedenken an die  Rassismus-Mordopfer in Hanau aufgerufen. Für den Kirchenkreis an Lahn und Dill sprach Pfarrer Christoph Schaaf, stellvertretender Superintendent auch im Namen verschiedener kreiskirchlicher Gruppen wie auch TIKATO. Vom AK Brot für die Welt-TIKATO waren Sandra Schäfer, Heidi J. Stiewink, Gisela Telgenbüscher, Susanne Wirtz und Wilhelm Wilmers mit dabei.
Wir veröffentlichen hier das mahnende Grußwort von Christoph Schaaf.
Sti/bkl

 

-     -     -     -     -     -    -     -     -    -     -     -    -     -     -    -     -     -    -     -     -    -     -     -    -     -     -    -     -     -

 

Mahnwache am 19.02.2021

zum Jahrestag des rassistischen Terroranschlags von Hanau

19.02 Uhr auf dem Domplatz Wetzlar / „Wetzlar bunt statt braun“

 

Wort des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill

Pfr. Christoph Schaaf, Assessor

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde, die wir heute vereint sind in Schmerz und Trauer um die furchtbaren, rassistisch motivierten Morde, die vor einem Jahr in Hanau verübt wurden!

Mit dem Geläut der Kirchenglocken des Doms sind wir zur Sammlung gerufen, zum aufmerksamen und wachen Innehalten mitten im Alltag.

Nötiger denn je ist dieses Zeichen - Menschen und Initiativen solidarisieren sich heute in über 150 Städten bundesweit, um der Opfer dieses rechtsextremistischen Anschlages des 19. Februar 2020 zu gedenken. Gemeinsam stehen wir fest an der Seite der Familien der Opfer, die Unsägliches erlitten haben und bis heute erleiden müssen - und in deren Seele sich dieses Datum fest eingebrannt hat.

Denn das Leben von neun Menschen wurde brutal zum Schweigen gebracht. Ihre Stimmen sind verstummt, sie können nicht mehr erklingen, ihre Gesichter nicht mehr leuchten, ihr Herz nicht mehr vor Glück jubeln – jäh wurde ihr Leben, ihre Zukunft und ihre Hoffnung zerstört.

Die Grausamkeit dieser Tat, die ein Mensch in rassistischer Verblendung und mit Hass im Herzen vollbracht und der sich am Ende selbst gerichtet hat, lässt uns nicht nur entsetzt verstummen. Es führt uns zum betroffenen Aufschrei.

Es führt uns dazu, laut zu rufen: Stopp! Nicht weiter.

Die Angehörigen fordern: Das muss der Endpunkt all solcher rassistischer Taten gewesen sein!

Diese unheilvolle Kette von Taten rechtsradikaler Gesinnung, die wir mit wachsender Unruhe seit vielen Jahren in unserer Gesellschaft, die Menschen spaltend, beobachten, muss in aller Klarheit und Entschlossenheit durchbrochen werden.

Die Serie rechter Gewalttaten seit den 90er Jahren von Eberswalde über Rostock-Lichtenhagen und Mölln bis Magdeburg, die NSU - Morde, der feige Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der terroristische Anschlag auf die Synagoge in Halle und nun der in Hanau muss uns ein für alle mal wachrütteln und zur Umkehr aufrufen!

Mich selbst bewegt das biblische Wort, das zum Leitmotiv Dietrich Bonhoeffers wurde, der selbst von den Nazis 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet wurde. Es lautet (Sprüche 31,8f):

Tu deinen Mund auf für die Stummen
und für die Sache aller, die verlassen sind.

Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit
und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“

Dieses Wort treibt uns an, als Christen nie zu denen zu gehören, die verstummen und gleichgültig oder verschämt wegschauen.

Sondern wachsam zu sein, aufzustehen gegen Unrecht und den Mund aufzutun eben genau für die, die keine Stimme haben, die verstummt sind, die zum Schweigen gebracht wurden.

Auch in aller Klarheit und Entschiedenheit mit dafür Sorge zu tragen, dass Tathintergründe und Ungereimtheiten aufgedeckt werden.

Denn wir dürfen nicht weiter zulassen, dass die Welt in „Die“ und „Wir“ eingeteilt wird.

Sondern, wie Manfred Rekowski, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, betont: „jede Person soll geschätzt und respektiert werden, so wie sie ist – unabhängig von ihrer Nationalität, von ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Alter, Fähigkeiten und Aussehen“.

Eben weil wir glauben, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes und darum wertvoll ist, müssen wir dies Tag für Tag lernen und mit klaren Worten und entschiedenen Taten belegen, einander in Respekt und Würde gegen Rassismus, Ausgrenzung und abwertende Unterscheidungen zu begegnen.

Wir stellen fest, dass unsäglicher Hass einen Einzelnen zu dieser rassistischen Tat getrieben hat. Aber wir dürfen darauf bei allem Schmerz und in aller Wut nicht mit Hass antworten.

Wenn Rassismus und Hass die Ursache und Folge solcher Verbrechen sind, müssen wir es besonnen anders machen.

Gerade jetzt zu Anfang der Passionszeit gehen wir den Weg mit Jesus Christus, der in seinem Leiden seinen Mund für die Schwachen auftat. Darin eröffnet sich der Weg der Versöhnung und Erneuerung, der uns zu Respekt vor den Mitmenschen führt, das Miteinander in Nächstenliebe gestalten lässt und uns jeden Tag neu vor Augen malt, wie wertvoll das Leben ist, an dem alle Menschen in gleicher Weise teilhaben sollen, dürfen und müssen.

So gedenken wir und mahnen zugleich als Evangelischer Kirchenkreis an Lahn und Dill in Verbindung mit dem Ausschuss für Öffentliche Verantwortung, dem Kirchlichen Arbeitskreis Flucht, dem Arbeitskreis Brot für die Welt – TIKATO und ebenso im Namen der Synodalbeauftragung für das christlich-jüdische Gespräch und das christlich-islamische Gespräch an der Seite aller hier Versammelten.

Wir brauchen Initiativen und Zeichen, die zur Überwindung von Hass und Gewalt führen. Dass wir heute Abend in dieser Vielfalt der Menschen, denen das auf dem Herzen liegt, zusammenkommen, ist ein ermutigendes Zeichen.

Bleiben wir wachsam!

 

Kirchenkreisbanner.3 (Custom)
Mitglieder mehrerer Initiativen aus dem Kirchenkreis, darunter  (links) Wilhelm Wilmers, rechts Heidi J. Stiewink, Sandra Schäfer



 

 

 

 

 

 

Banner-Aktuelle-Meldungen
Logo_45Jahre_005
Animation_001