Bericht „Frieden und Entwicklung in Burkina Faso und Mali“
Online-Veranstaltung mit Dr. Anthea Bethge

 

 

 

 

 

 

 

„Wenn Sie auf Ihrer Reise Menschen besuchen wollen, dann fragen Sie vorher an, ob sie sich durch Ihre Präsenz gefährdet fühlen.“ Das war der Rat, den Dr. Anthea Bethge, die Geschäftsführerin des Christlichen Friedens- und Entwicklungsdienstes EIRENE anlässlich einer Online-Veranstaltung zur diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade Wilhelm Wilmers und Heidi Janina Stiewink für ihre für Anfang Januar geplante Reise mit auf den Weg gab. Die burkinischen Freunde hatten allerdings ausdrücklich um den Besuch gebeten
Der Arbeitskreis Frieden sowie der Arbeitskreis TIKATO-Brot für die Welt hatten zu dieser Veranstaltung eingeladen. Aktueller Anlass sind die in letzter Zeit sich von Norden nach Süden rasant ausbreitenden Terroranschläge in Burkina Faso. Im Norden des Landes liegt Mali. Von dort scheinen Terrorgruppen immer tiefer in das Land einzudringen. In Mali sind Einheiten der Bundeswehr im Rahmen einer Europäischen Ausbildungsmission stationiert.  Wie verhalten sich ziviles Engagement für Frieden und Militärpräsenz zueinander?

Frau Dr. Bethge gab einen Überblick über die Geschichte von EIRENE. Die Anfänge gehen zurück auf das Jahr 1957, als zwischen Frankreich und Algerien der Unabhängigkeitskrieg wütete. Die historischen Friedenskirchen hatten das Elend der nach Marokko entwichenen Flüchtlinge erkannt und organisierten die Entsendung von freiwilligen Helfern. 1961 wurde ein rechtlich eingetragener Verein gegründet. EIRENE ist eine internationale Organisation, die in vier Sprachen arbeitet. Neben einer Geschäftsstelle in Neuwied und dem dort arbeitenden Team gibt es Freiwillige, die sowohl aus Deutschland hinausgeschickt werden als auch solche, die nach Deutschland kommen. Außerdem gibt es Friedensfachkräfte - auch aus dem In- und Ausland, die mit einer speziellen Ausbildung in mittel- und langfristigen Projekten arbeiten. EIRENE achtet sehr genau darauf, dass in ihren Strukturen rassistisches Denken und Handeln keinen Platz mehr finden

Im Sahel unterhält EIRENE zwei Programme mit Partnerorganisation und Aktivitäten in Burkina Faso. Themenschwerpunkte sind:

  • Medien & Frieden (Konfliktsensible Berichterstattung und offene Debatten mit Bürger_innenbeteiligung in Radiosendungen)
  • Extremismusbekämpfung durch Grundbildung & Friedenserziehung mit Koranschulen
  • Ressourcengerechtigkeit rund um Goldminen & Ernährungssicherheit durch Agroforst

Mit Hilfe eines kurzen Videos bekamen die Veranstaltungsteilnehmenden einen Einblick in einen gerade stattfindende Strategieplanungs-Workshop in Ouagadougou.

In Mali wurde EIRENE für Projekte Schutz durch Militärs angeboten. Das lehnt die Organisation entschieden ab. „Das gefährdet uns mehr, als das es nützt, denn militärische Einrichtungen sind die beliebtesten Angriffsziele für Terrorakte. Durch das europäische Militär gibt es mehr Tote als durch die Terroristen,“ wusste die Referentin zu berichten. Auch die Ausbildungsmission der Bundeswehr sei kontraproduktiv. Es wird immer wieder geputscht und die Fronten sind fließend. Wichtig seien direkte Kontakte zu den Menschen, eine klare rassismuskritische Position, Unterstützung einer funktionierenden Verwaltung und Ernährungssicherheit.

In der Diskussion wurde die Irritation angesprochen, dass EIRENE mit Koranschulen kooperiert. In Burkina Faso gibt’s traditionell keine Verschleierung der Frauen. Im Gegenteil, ihre Kopfbedeckung entspricht dem bunten Stoff, aus dem die Kleider gemacht sind. In den Koranschulen, die eine größere Verbreitung haben als die staatlichen Schulen, an denen Französisch unterrichtet wird, sind häufig Frauen die Leiterinnen. Gewaltfreiheit ist für sie genauso ein dringendes Thema wie für viele Christ_innen.

Kritisch wurden auch Fragen einer möglichen Kooperation der Projekte von TIKATO und des Arbeitskreis Frieden mit Eirene als gegenüber bei ODE  diskutiert und Überlegungen angestellt, wie bei Unterstützung ohne viel Geld Eigeninitiativen angeregt werden können. Auch Möglichkeiten der Traumabearbeitung  im afrikanischen Kontext wurden nachgefragt.

Auf die Frage, wie die Mitarbeitenden von EIRENE mit Situationen von drohender Todesgefahr umgehen, erklärte die Referentin, dass sie gute Erfahrungen gemacht hätten, in solchen Situationen auf das eigene Gefühl zu achten und in gemeinsamer Abwägung zu entscheiden: Will ich bleiben oder ziehe ich mich zurück? Frau Bethge zeigte sich tief beeindruckt, dass Heidi J. Stiewink und WilhelmWilmers erneut planen, nach Burkina Faso zu reisen. Sie erkundigte sich nach dem vorgesehen Termin für Abfahrt und Rückkehr und bat: „Informiert mich, wenn Ihr nicht fahrt. Ich möchte für Euch beten!“

  Ernst von der Recke
Fotos Heidi J. Stiewink
 

 

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